Benefizkonzert Felix Mendelssohn Bartholdy zurück in Deidesheim

Fanny Mendelssohn-Hensel und Felix Mendelssohn Bartholdy

Zwei musikalische Genies in einer Familie

Fragt man Musikliebhaber nach Geschwistern, die sehr musikalisch waren und die auch komponiert haben, werden einem vielleicht vier der Söhne von Johann Sebastian Bach genannt. Dass aber die vier Jahre ältere Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy Fanny Mendelssohn (nach ihrer Heirat mit Wilhelm Hensel 1829 Fanny Hensel) eine begnadete Pianistin war und auch selbst viel komponiert hat, ist selbst unter Kennern nur wenig bekannt.

Fanny Mendelssohn-Hensel

Fanny Mendelssohn (geb. 1805) erhielt wie ihr Bruder bereits in früher Kindheit von dem Leiter der Berliner Singakademie Carl Friedrich Zelter Musikunterreicht. Schon mit dreizehn Jahren soll sie ihrem Vater zu seinem Geburtstag alle vierundzwanzig Präludien von Johann Sebastian Bach auswendig vorgetragen haben und mit fünfzehn Jahren hat sie angefangen zu komponieren. Insgesamt schuf Fanny Hensel mehr als 450 Kompositionen – davon etwa zweihunderundfünfzig Lieder.

Dass Fanny als sehr talentierte Komponistin auch heute noch so wenig bekannt ist, liegt sicherlich daran, dass ihre Kompositionen zu ihren Lebzeiten nicht veröffentlicht und auch erst gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts so richtig bekannt wurden. Nach der Auffassung ihres Vaters und übrigens auch der ihres Bruders Felix schickte es sich nämlich nicht, dass eine Frau Geld verdiente, und dazu zählte auch die Drucklegung von Kompositionen. Erst kurz vor ihrem Tode hat sich Fanny Hensel diesem Rate ihres Vaters und Bruders widersetzt. Dass die Beziehung von Fanny und Felix angesichts der Haltung von Felix in der Frage der Veröffentlichung nicht immer ganz spannungsfrei war, ist verständlich. Trotzdem war Fanny für Felix, wie zahlreiche Briefe belegen, ein Leben lang immer eine enge Vertraute und auch seine Beraterin, Freundin und Kollegin.

Das musikalische Talent von Fanny zeigte sich auch bei den Sonntagsmusiken der Familie, die in Berlin einen sehr guten Ruf genossen. Fanny hat dabei nicht nur Werke von Gluck, Bach und Beethoven vorgespielt, sondern ihr oblagen auch die Programmgestaltung, die Einstudierung und die Leitung von Chor und Orchester sowie die gesamte Organisation. Bei einer dieser Sonntagsmusiken soll übrigens auch das Ehepaar Robert und Clara Schumann anwesend gewesen sein.

Felix Mendelssohn Bartholdy

Ganz anders, als der seiner Schwester, ist der Bekanntheitsgrad von Leben und Werk ihres 1809 geborenen Bruders Felix Mendelssohn Bartholdy. Wenn man seinen Namen hört, denkt man unwillkürlich an den Komponisten romantischer Sinfonien, wunderschöner Klaviermusik oder auch der beiden großen Oratorien Paulus und Elias. Aber auch Felix war mehr als nur ein begabter Schöpfer schöner Musik, er war auch ein exzellenter Pianist und Dirigent und – wie wir heute sagen würden – ein erfolgreicher Musikforscher und Musik- und Konzertmanager. Übrigens konnte er auch sehr gut zeichnen und malen und hat viele Eindrücke von seinen Reisen mit Bleistift und Pinsel festgehalten, so z.B. auch den Speyrer Dom.

Dank gesicherter wirtschaftlicher Verhältnisse seiner Familie konnte sich Felix schon in frühen Jahren dem Studium der Musik widmen. Im Alter von nur neun Jahren trat er das erste Mal öffentlich als Pianist auf und er hat in seinem nur achtunddreißig Jahre währenden Leben nach einem Werkverzeichnis aus dem Jahre 1882 mehr als dreihundertundfünfzig auch heute noch beliebte und daher viel gespielte Musikwerke geschaffen.

Felix Mendelsohn ist in seinem Leben viel gereist. Er war in London, in Italien, in den Niederlanden, in der Schweiz und auch in der Pfalz. Das erste Mal besuchte er dort auf seiner Hochzeitsreise im März 1837 mit seiner jung angetrauten Frau Cecile Jeanrenaud u.a. Mainz, Worms und Speyer. Sieben Jahre später dirigierte er beim Pfälzischen Musikfest in Zweibrücken u.a. sein Oratorium „Paulus“. Diese Reise führte Mendelssohn auch nach Deidesheim, wo er im Weingut Reichsrat von Buhl den „Forster 1842er“ Riesling genoss. Darüber hat er begeistert in einem Brief an seine Schwester Fanny Hensel berichtet.

Als Musikforscher hat Felix sich intensiv mit dem Lebenswerk von Johann Sebastian Bach befasst und damit im neunzehnten Jahrhundert eine regelrechte Bach-Renaissance eingeleitet. Ein Höhepunkt dieser Renaissance war die 1829 von Mendelssohn im Alter von nur zwanzig Jahren gegen Widerstände durchgesetzte. Wiederaufführung der einhundert Jahre vorher von Bach uraufgeführten „Matthäuspassion“ in der Berliner Singakademie. Auch Mendelssohns maßgebliche Mitwirkung bei der Gründung des ersten deutschen und damals europaweit bedeutendsten Musikkonservatoriums 1843 in Leipzig und sein Einfluss auf die Gründung des Leipziger Gewandhausorchesters zeigen ihn als bedeutenden Organisator des damaligen Musiklebens in Deutschland und Europa. Das Leipziger Gewandhausorchester war das erste deutsche Berufsorchester und die Leipziger Gewandhauskonzerte erhielten durch Mendelssohn vorher nie erlebten Glanz und stellen praktisch den Beginn des öffentlichen Konzertwesens ins Deutschland dar.

Felix starb im Jahre 1847 im Alter von nur 38 Jahren. Im gleichen Jahr verstarb übrigens auch seine nur vier Jahre ältere Schwester Fanny. Was der Musikwelt durch den frühen Tod der beiden Mendelssohns entgangen ist, kann man nur versuchen zu erahnen.

Verfasser: Dr. Wolfgang Dubiel, Deidesheim